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Querschnittsstudie des IWU zur Energieeinsparung im Gebäudebestand macht Notwendigkeit für erhöhte Anstrengungen deutlich


 

Im Auftrag des Verbandes der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW Südwest) hat das IWU einen Querschnittsbericht „Energieeffizienz im Gebäudebestand – Techniken, Potenziale, Kosten und Wirtschaftlichkeit“ erstellt.

Die Studie zeigt die erhebliche Dynamik der technologischen Entwicklungen und die mögliche Auswirkung auf den Energieverbrauch des deutschen Wohngebäudebestands. Angesichts der Notwendigkeit, in den Industriestaaten bis 2050 mindestens 80 % der CO2-Emissionen einzusparen sowie der gleichzeitig zu berücksichtigenden hohen Lebensdauer baulicher Maßnahmen werden in der Untersuchung zwei Aspekte besonders betont:

  • Entsprechend den gesetzlichen Vorgaben neu errichtete oder energetisch modernisierte Gebäude erreichen noch nicht den Qualitätsstandard, der zur Einhaltung der langfristigen Klimaschutzziele notwendig wäre. Der Primärenergiebedarf dieser Gebäude ist im Allgemeinen noch mehr als doppelt so hoch wie eigentlich erforderlich.
  • Im Gebäudebestand werden noch viel zu selten Energiesparmaßnahmen durchgeführt. Selbst die hohen wirtschaftlich erreichbaren Einsparpotentiale werden bisher nicht genutzt. Die Erneuerungsrate der Gebäudehülle ist insgesamt zu niedrig, um die langfristigen Klimaschutzziele zu erreichen.

Die Studie macht deutlich, dass es hier erhebliche Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Es bestehen insbesondere große Potentiale zur Heizwärmeeinsparung. Durch eine vollständige Modernisierung der Gebäudehülle kann der Heizwärmebedarf eines vor 1979 errichten Gebäudes von ca. 170 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr auf 80 kWh/m²a reduziert werden, wenn die Altbau-Anforderungen der gültigen Energieeinsparverordnung eingehalten werden. Eine verbesserte Maßnahmenqualität, insbesondere erhöhte Dämmstoffstärken auf Niedrigenergiehausniveau können den Heizwärmebedarf auf 60 kWh/m²a absenken. Mit passivhaustypischen Komponenten erreicht man ca. 35 kWh/m²a. Die Möglichkeit des Einsatzes einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ist dabei noch nicht berücksichtigt.

Die Gesamtpotentiale zur CO2-Minderung werden unter Berücksichtigung typischer Erneuerungszyklen auf den gesamten Gebäudebestand hochgerechnet. Im aktuellen Basisfall wird eine jährliche CO2-Minderung von 1,2 %/a errechnet. Durch Erhöhung der energetischen Modernisierungsrate der Gebäudehülle (Angleichung an die allgemeine Sanierungsrate), verbesserte Wärmeschutzstandards (Niedrigenergiehausniveau) und effiziente Wärmeversorgung (Ersatz alter Systeme durch besonders energiesparende Neuanlagen) ließe sich eine Einsparung 3 %/a erzielen. Hochgerechnet auf 10 Jahre könnte also die jährliche CO2-Emissionsrate der Beheizung und Warmwasserbereitung des heutigen Gebäudebestandes um 30 % reduziert werden. Die Studie weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass die Kenntnisse über die tatsächliche Höhe von Modernisierungsraten im Gebäudebestand nicht sehr gut sind, so dass es sich hier um eine grobe Abschätzung der Größenordnung handelt und weitergehende Untersuchungen erforderlich wären.

Neben diesen Potenzial-Analysen wurden im Rahmen der Studie Wirtschaftlichkeitsberechnungen für den vermieteten Bestand exemplarisch für ein Mehrfamilienhaus durchgeführt. Für das untersuchte Beispiel und unter den gegebenen realistischen Parametern ist eine Sanierung auf das Niveau eines 7-Liter-Hauses ohne Förderung wirtschaftlich, d.h. mit Gewinn zu realisieren. Der Wärmeschutz des Gebäudes ist dabei erheblich besser als nach EnEV vorgeschrieben.

Stellen sich die individuellen Rahmenbedingungen für den Vermieter günstiger dar (z.B. Leerstandsvermeidung durch energetische Modernisierung, erhöhte Mietzahlungsbereitschaft durch erhöhten Wohnkomfort, Vorliegen des Merkmals „wärmetechnische Beschaffenheit“ im Mietspiegel) können auch Modernisierungen weit über das Niveau „7-Liter“ hinaus ökonomisch vorteilhaft  sein. Dies sollte speziell im Fall von Wohnungsunternehmen im Rahmen einer umfassenden Portfoliobetrachtung analysiert werden.

Eine Reihe von deutschen Wohnungsunternehmen gehen mit gutem Beispiel voran. Zum Standardrepertoire gehören bei ihnen Wärmeschutzmaßnahmen, die deutlich über die derzeit geltenden gesetzlichen Anforderungen hinausgehen. Die Studie benennt Beispiele, in denen der gemessene Verbrauch auf Werte zwischen 3 und 7 Litern pro Quadratmeter und Jahr abgesenkt wurde.

Die Studie kann bezogen werden beim VdW südwest: Daniela Shumate (daniela.shumate@vdwsuedwest.de; Tel.: 069/97065101)

 


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