Forschungsverbund Wohnungslosigkeit

Ziel des Forschungsvorhabens ist die Erarbeitung von interdisziplinärem Grundlagen- und Orientierungswissen für zukunftsgerechte Planungs- und Gestaltungskonzepte für die Hilfe in Wohnungsnotfällen. Die Ergebnisse richten sich gleichermaßen an Politik, Wohnungswirtschaft und Wohlfahrtspflege. Gefördert wird das Verbundprojekt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Forschungsprogramms "Bauen und Wohnen". Es wurde im September 2001 begonnen und hat eine Bearbeitungszeit von drei Jahren.

Drei Institute, die seit Jahren in diesem Themenbereich tätig sind, haben sich auf Initiative der BAG Wohnungslosenhilfe zum Forschungsverbund zusammengeschlossen und bringen auf diese Weise ihre spezifischen Kenntnisse ein. Die BAG W selbst begleitet als assoziierte Partnerin die Verbundarbeit und stellt den Praxisbezug sicher.

Drei Untersuchungsschwerpunkte

Das Institut Wohnen und Umwelt (IWU) untersucht die "Grundlagen für eine Politik zur Wohnungsversorgung einkommensschwacher Bevölkerungsgruppen". Dies umfasst: die Auswirkung veränderter Rahmenbedingungen auf die Wohnungsversorgung sozial und ökonomisch Benachteiligter, vertiefend die Konsequenzen der Verringerung des gebundenen Wohnraums durch auslaufende Sozialbindungen und Privatisierung öffentlicher Wohnungsunternehmen sowie innovative Ansätze zur Wohnraumversorgung von Haushalten mit besonderen Zugangsproblemen zum Wohnungsmarkt. Der Beitrag der Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Frauenforschung (GSF e. V.) besteht in der "Zielgruppen- und Bedarfsforschung für eine integrative Wohnungs- und Sozialpolitik". Sie setzt ihren Fokus auf die geschlechterdifferente Analyse von Menschen in unterschiedlichen Wohnungsnotsituationen. Mit Hilfe des Lebenslagenansatzes sollen spezifische Teilgruppen und deren Hilfebedarfe identifiziert werden. Die Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung (GISS) beschäftigt sich mit den "Grundlagen für eine Politik zur Verbesserung des 'Hilfesystems' in Wohnungsnotfällen". Untersucht werden Potenziale und Grenzen traditioneller und innovativer Hilfen in Wohnungsnotfällen, die durch freie Träger und kommunale Dienste erbracht werden. Gegenstand der Analyse im Einzelnen sind neue Organisationsformen der Hilfen in Wohnungsnotfällen, die Evaluation persönlicher Hilfen in Wohnungen sowie eine Wirkungsanalyse persönlicher und wirtschaftlicher Hilfen bei der Prävention von Wohnungslosigkeit.
Durch regelmäßige Treffen der drei Projektteams und die Koordination des gesamten Forschungsvorhabens durch das IWU wird die Verknüpfung der Teilergebnisse sichergestellt. Ziel des Forschungsverbundes ist es, mit den Untersuchungen zu einem differenzierteren und umfassenderen Verständnis der Entstehung von Wohnungslosigkeit und zur Erarbeitung bedarfsgerechter Lösungsansätze beizutragen. Dabei ist forschungsleitend die "Vision" einer - möglichst weit gehenden - Vermeidung von Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit und einer Integration der Betroffenen in normale Lebens- und Arbeitsverhältnisse.
Alle Untersuchungsschritte sollen im Sinne des Gender-Mainstreaming-Ansatzes, also unter Berücksichtigung der Geschlechterdifferenz durchgeführt werden.

Einbeziehung der Praxis

Die Forscherinnen und Forscher sind an einer Einbeziehung der Praxis in den Forschungsprozess interessiert, um deren Blickwinkel in den Arbeiten berücksichtigen und damit eine bessere Umsetzbarkeit der Forschungsergebnisse in die Praxis gewährleisten zu können. Hergestellt wird dieser Austausch zum einen über einen Beirat mit Vertreterinnen und Vertretern der öffentlichen Hand, Wohnungswirtschaft und Wohlfahrtspflege, zum anderen über Fachtagungen, die sich vor allem an direkt in der Praxis Tätige richten. Darüber hinaus wird ein Internetauftritt für ein interessiertes Fachpublikum angeboten, der neben Informationen zu Arbeit und Ergebnissen auch Möglichkeiten zur Kommunikation in beide Richtungen eröffnen soll.

In der Präsentation des Forschungsverbundes Wohnungslosigkeit (PDF-Datei) ist der Aufbau und die Organisation des Verbundes nochmals detailliert dargestellt.

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