Baseline Study Lemberg (Lviv) / Ukraine

Ausgangslage

Im Jahr 2018 hat die Ukraine mit Unterstützung internationaler Geber - der EU, der Welt­bank und Deutschland - den nationalen Energieeffizienzfonds (EEF) aufgelegt. Auch die Ukraine will die Energieverbräuche in den Wohngebäudebeständen reduzieren. Im Fokus des Fonds stehen die privatisierten Wohnungsbestände in Mehrfamilienhäusern. Die Woh­nungseigentümer sind nicht automatisch in der Rechtsform der Wohnungseigen­tümer­gemeinschaften (WEGs) organisiert, sondern bilden häufig Hausgemeinschaften, deren Mitglieder sich als Eigentümer der Wohnungen zwar um ihre eigene Wohnungen küm­mern, aber nicht unbedingt das Gemeinschaftseigentum, z. B. die Hülle (Fassade, Fenster, Dach), die Heizungsanlage und die Keller im Blick haben bzw. in das Gemein­schafts­eigentum investieren. Ohne formalisierte WEG ist es schwer, für die Verbesserung der Energieeffizienz private Investitionsmittel zu mobilisieren. Hinzu kommen exorbitante Zin­sen von bis zu 20 %, die ein Wohnungseigentümer oder eine WEG für einen Moder­ni­sierungskredit zu bezahlen hat. Ein weiteres großes Hindernis ist das fehlende Vertrauen in den Staat und staatliche Institutionen.

Ziele

Für die Gemeinde Lviv sollte Konzepte für ein zum EEF ergänzendes kommunales Finan­zierungsinstrument entwickelt werden. Das IWU sollte die GIZ bei der konzeptionellen Entwicklung unterstützen.

Vorgehen

Folgende Vorgehensweise wurde gewählt:

  • Ausarbeitung der „Baseline Study“ für den Stadtteil "Syhiv": Für die Auswahl eines geeigneten energetische Sanierungsgebietes mit geeigneten Häusern die möglichst von einkommensschwachen WEGs bewohnt werden galt es, Auswahl- und Beurteilungskriterien zu entwickeln, um den energetischen Zustand der Gebäude, die Wärmeverbräuche, die Art der Wärmeversorgung und eine grobe Kostenschätzungen für notwendige energetische Maßnahmen zu erfassen. Darüber hinaus sollten sozio-ökonomische Indikatoren ermittelt werden (z.B. Anteil der öffentliche Hilfeempfänger).
  • Konzepte zur Entwicklung eines kommunales Förderinstrument: das geeignet ist zusammen mit dem nationalen Energieeffizienzfonds (EEF) die notwendige Spitzenfinanzierung zu liefern, um auch WEGs mit einem hohen Anteil von einkommensschwachen Bewohner*innen energetische Modernisierungsmaßnahmen zu ermöglichen. Hier sollten unterschiedliche Varianten und ihre jeweiligen Kosten und Fördereffekte untersucht werden und die Kompatibilität mit dem EEF gesichert werden.
  • Strategische Begleitung und Beratung bei der Konzeptanpassung und Umsetzung der Baseline Study und des kommunalen Förderinstruments: Das Energiekonzept stützt sich auf eine seit 2014 bestehende vertrauensvolle Beziehung zwischen der GIZ und der Leitungsebene innerhalb der Stadtverwaltung-und Politik in Lviv. Die Gemeinde führt ein kommunales energetisches Modernisierungsprogramm durch. Die Gemeinde hat einen kommunalen Energieversorger der eingebunden werden soll. An die Durchführung energetischer Modernisierungsmaßnahmen sollen Qualitätsanforderungen gestellt werden und diese sollen gesichert werden.

Ergebnisse

Die Bestandsanalyse ergab, dass der Gebäudebestand in Syhiv sehr homogen ist. Mehr als 90 % der Gebäude gehören zu zwei Gebäudetypen. Alle Gebäude wurden innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren (1984-1994) errichtet. Für die beiden identifizierten Ge­bäu­detypen wurden Hausdatenblätter mit den wesentlichen baulichen und anlage­tech­nischen Eigenschaften angefertigt und Energiebilanzen für den IST-Zustand und den Zu­stand nach einer energetischen Sanierung gemäß EEF berechnet. Die berechneten Energiebedarfe für den IST-Zustand entsprachen im Durchschnitt den gemessenen Energieverbräuchen des kommunalen Energieversorgungsunternehmens. Eine umfassen­de Sanierung gemäß EEF würde bei beiden Typgebäuden zu Energieeinsparungen von bis zu 50 % führen. Bei der Kostenschätzung stellte sich heraus, dass die veranschlagten Kosten im Vergleich zu früheren Projekten in der Ukraine eher hoch sind. Dieser Preis­anstieg lässt sich durch einen allgemeinen Anstieg der Preise für Bauleistungen und Materialien im letzten Jahr erklären, insbesondere in grenznahen Regionen. Darüber hinaus wurden eher konservative Preisschätzungen vorgenommen, die alle möglichen Maßnah­men, die für eine umfassende Sanierung erforderlich sein könnten, beinhalten.

In einem weiteren Schritt sollte geklärt werden, ob die energetische Modernisierung wie sie der EEF vorsieht und die damit verbundene Förderung einen wirtschaftlich attraktiven Anreiz für die WEGs darstellt. Zu diesem Zweck wurden Wirtschaftlichkeitsberechnungen für energetische Modernisierungsmaßnahmen in den beiden Typgebäuden durchgeführt. Es konnte gezeigt werden, dass die Investitionen - trotz der hohen EEF-Förderung - ohne ein zusätzliches kommunales Finanzierungsinstrument für WEGs nicht wirtschaftlich realisierbar sind. Aufgrund der Unsicherheit der Eingangsparameter wurde die Höhe der zusätzlichen kommunalen Förderung mit 10 - 15 % der anfänglichen Investitionssumme beziffert. Daran anschließend wurden verschiedene Gestaltungsoptionen des kommunalen Förderinstrumentes entwickelt und aus der Perspektive der WEGs und der Gemeinde geprüft. Dazu zählten u. a. direkte kommunale Zuschüsse (Zinszuschüsse) und zinsfreie kommunale Vorfinanzierungskredite. Beide Optionen halten die finanziellen Belastungen der WEGs in den Anfangsperioden gering.

Fazit: Die Umsetzung energetischer Modernisierungen mit ihren technischen, wirt­schaft­lichen und governance Fragestellungen ist in der Ukraine ebenso wie in Deutschland voraussetzungsvoll. Die Erfahrungen des IWU sind in die Konzeption der Moderni­sie­rungs­politik der Gemeinde Lviv eingegangen. Der Nutzen für das IWU liegt in der Kompe­tenz­erweiterung bei der Durchführung internationaler Projekte und dem Gewinnen neuer inter­nationaler Partner - hier der GIZ und ukrainischer Unternehmen.

Bearbeitungszeitraum

November 2018 - Oktober 2019

Projektteam IWU

Iris Behr, Dr. Andreas Enseling, Dr. Eberhard Hinz

Kontakt

Iris Behr
Tel.: 06151-2904-40
E-Mail: i.behr(at)iwu(dot)de

Dr. Andreas Enseling
Tel.: 06151-2904-55
E-Mail: a.enseling(at)iwu(dot)de

Auftraggeber

  • Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ)

Partner

  • Association of energy engineers of Ukraine (AEE)
  • EcoClub Rivne/Ukraine

Weitere Informationen