Energy Strategic Asset Management (ESAM) in Social Housing Operators in Europe

Ausgangslage

Europaweit wohnen mehr als 120 Mio. Menschen als Mieter in ca. 35 Mio. Wohnungen und Gebäuden, die von "Social Housing Operators" (SHOs) bewirtschaftet werden. Vor dem Hintergrund der jeweiligen nationalen Entwicklungen sind diese SHOs sehr unterschiedlich organisiert. Unabhängig vom sehr unterschiedlichen kulturellen Hintergrund der SHOs stellen sich aus heutiger Sicht dennoch ähnliche Anforderungen an diese Unternehmen: Der Wohnungs- und Gebäudebestand muss aus der sozialen Verantwortung für das Gut "Wohnen" auch für die Klientel sozial schwacher Mieter zukunftsfähig saniert werden. In diesem Zusammenhang wird auch die EG-Richtlinie 2002/91/EG über die Gesamteffizienz von Gebäuden relevant.

Mit dem Förderprogramm "Intelligent Energy - Europe" (IEE) hat die EU ein Programm auf­gelegt, aus dem heraus das Projekt ESAM gefördert wird. Beteiligt sind unter der Führung von DELPHIS (Frankreich) insgesamt 15 Wohnungsunternehmen und Forschungsinstitute aus 7 europäischen Ländern (Frankreich, Italien, Deutschland, Tschechien, Slowakei, Österreich, Estland). Aus Deutschland ist neben dem IWU die Nassauische Heimstätte Projektpartner.

Ziele

SHOs sollen bei der Bewältigung der neuen Anforderungen an die Bestandssanierung, insbesondere aus der Richtlinie über die Gesamteffizienz von Gebäuden und vor dem Hintergrund sozial schwacher Mieter, unterstützt werden. Dazu soll ein unter den europäischen Partnern abgestimmtes "Energy and Strategic Assessment Management" (ESAM) mit folgenden Bausteinen entwickelt und eingeführt werden:

  • Instrumente für die ökologische Bewertung von Modernisierungsvarianten mit dem spezifischen Schwerpunkt auf energetischen Fragen auf der Basis einzelner Gebäude
  • Instrumente für die Entwicklung einer langfristig angelegten Investitionsstrategie unter Berücksichtung sozio-kultureller, ökonomischer und ökologischer Kriterien auf der Ebene des Unternehmens
  • Initiierung von Kooperationen mit den wesentlichen Stakeholdern von Unternehmen: Mieter, lokale bzw. überregionale öffentliche Verwaltungen, Energieversorger u. a. m.

Vorgehen

Das Projekt ist in 8 Arbeitspakete (AP) eingeteilt: Im Jahr 2007 soll die in 2006 angelaufene theoretische Erarbeitung des ESAM-Konzeptes (AP 2, 3 und 4) abgeschlossen und mit der Erprobung des Konzeptes im Rahmen von Modellprojekten (AP 6) begonnen werden. Zu diesem Zweck soll zunächst ein geeignetes Informationssystem entwickelt und getestet werden (AP 5). Im Jahr 2007 soll darüber hinaus mit der nationalen und internationalen Verbreitung der Ergebnisse im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit begonnen werden (AP 7 und 8).

Bearbeitungszeitraum

2006 - 2008

Projektteam

Eberhard Hinz, Andreas Enseling

Kontakt

Dr. Eberhard Hinz
Tel.: 06151-2904-57
E-Mail: e.hinz@iwu.de

Fördermittelgeber

  • Europäische Kommission, Programm "Intelligent Energy - Europe (IEE)"

Partner

  • DELPHIS (Paris)
  • Nassauische Heimstätte

Ergebnisse

Die während des ESAM-Projektes entwickelten Werkzeuge ermöglichen es den Ent­schei­dungsträgern in der Wohnungswirtschaft eine Portfoliostrategie zu wählen, die nicht nur soziale, technische und finanzielle Erfordernisse sondern auch energetische Ge­sichts­punkte berücksichtigt. Unterschiedliche energetische Modernisierungsszenarien können vor der Investitionsentscheidung simuliert und bewertet werden. Mit den Investitionen in den Gebäudebestand kann Energie und CO2 eingespart werden. Gleichzeitig werden die Mieter bei den Energiekosten entlastet und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens gesi­chert.

In Deutschland wurde in Zusammenarbeit mit dem deutschen Projektpartner - der Naussauischen Heimstätte - das strategisches Werkzeug “Energy Profile” entwickelt.

Es besteht aus folgenden Modulen:

  • Einem nutzerbezogenen Interface für die Aufnahme der Gebäudedaten, die Definition von Modernisierungsvarianten (z. B. für die thermische Hülle und die Anlagentechnik), die Anzeige der Ergebnisse und für das Aufrufen und Speichern von Datensätzen;
  • Einem Modul für die Berechnung von Energiebilanzen (z. B. Primärenergiebedarf, Endenergiebedarf), das auf dem vom IWU entwickelten „Kurzverfahren Energieprofil“ basiert;
  • Einem Modul für die Wirtschaftlichkeitsberechnung der vordefinierten energetischen Maßnahmenpakete;
  • Einer Datenbank, in der die eingegebenen Daten und die errechneten Ergebnisse gespeichert werden;

„Energy Profile“ ist ein Informationssystem für das strategische Management von Woh­nungs­unternehmen. Das Verfahren speist sich aus einer hinterlegten Gebäudetypologie und einer Reihe weiterer - vorwiegend unternehmensbezogener - Datenbanken. „Energy Profile“ liefert energetische Kennwerte zum gegenwärtigen Gebäudezustand und zu möglichen Modernisierungsszenarien. Durch die Hinterlegung mit typischen Kostendaten können diese Szenarien anschließend aus Vermietersicht ökonomisch bewertet werden.

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