Mit IWU-Beteiligung

Prof. Dr. Kristine Kern (1959 – 2025) © Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung e.V. (IRS)
Neue Forschungsagenda zu kommunalem Klimaschutz zu Ehren von Professorin Kristine Kern veröffentlicht
Wie wichtig Klimaschutz und -anpassung auf kommunaler Ebene sind, hat der Hitzesommer 2026 gerade eindringlich vor Augen geführt. Eine der ersten Forscherinnen, die sich mit dem Klimaschutz auf dieser Governance-Ebene beschäftigte, war Prof. Dr. Kristine Kern vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS). Nach ihrem unerwarteten Ableben im Februar 2025 widmet sich ein internationales Autor/-innenteam um Kristine Kerns frühe Weggefährtin Prof. Dr. Harriet Bulkeley(Durham University, Vereinigtes Königreich) der Aufgabe, Kerns Arbeit im Rahmen einer zukunftsgerichteten Forschungsagenda zu würdigen. Ein Ko-Autor dieses Beitrags ist IWU-Wissenschaftler Dr. Jonas Schönefeld.
Agenda mit fünf neuen Themenfeldern
Die neue Forschungsagenda, die den Umgang mit dem Klimawandel in kleineren Kommunen und ländlichen Gebieten hervorhebt, erschien im Sommer 2026 im internationalen Fachjournal npj Climate Action. Während bisherige Forschungsbemühungen oft auf große, internationale und gut vernetzte Städte abzielten, soll sich der Fokus zukünftig vermehrt auf kleinere Kommunen und ländliche Räume richten. Beispielsweise leben in Deutschland laut dem Hessischen Landkreistag etwa 68 % der Bevölkerung in kreisangehörigen Kommunen.
Basierend auf der wegweisenden Arbeit von Professorin Kern benennt das internationale Autor/-innenteam fünf Themenfelder für die zukünftige Forschung:
- Die Erarbeitung eines besseren Verständnisses der oft sehr heterogenen kleineren Kommunen und deren Funktionsweisen, welche sich oft von großen Städten unterscheiden
- Klimapolitik- und Governance-Innovation auf kommunaler Ebene, inklusive der Rolle von besonders engagierten politischen Akteur/-innen (policy entrepreneurs)
- Finanzielle Kapazitäten für und fiskale Aspekte des kommunalen Klimaschutzes
- Mehrebenen-Dynamiken und wie diese kleinere Kommunen beeinflussen
- Kommunale Netzwerke mit besonderem Fokus auf kleineren und regionaleren Ausprägungen
Um die Forschung in diesen Themenfeldern voranzutreiben, empfiehlt das Forscher/-innenteam, informellere Netzwerke und kommunale Interaktionen stärker in den Blick zu nehmen. Darüber hinaus sollte verstetigter kommunaler Klimaschutz jenseits prekärer „Projektifizierung“ einen wichtigen Fokus darstellen. Wichtig bleibt zudem der Austausch über Gemarkungsgrenzen hinweg.
All dies kann aus Sicht der Autor/-innen am besten in kollaborativen Forschungsansätzen erreicht werden, wie sie auch die Arbeitsweise und Haltung von Prof. Kristine Kern geprägt haben. Sie verband Akribie, Dynamik und Inspiration mit einem ausgeprägten Blick für die praktische Umsetzung – immer dann, wenn diese dem Erkenntnisgewinn und der Wirkung wissenschaftlicher Arbeit diente.
- Die Publikation erschien in der gemeinsam von Dr. Jonas Schönefeld (IWU) und Jun.-Prof. Dr. Ulrike Zeigermann (Julius-Maximilians-Universität Würzburg) herausgegebenen Themenkollektion
„Local Authorities on Their Way to Climate Action“:
Bulkeley, H.; Schoenefeld, J.J.; Zeigermann, U.; Eckersley, P.; Haupt, W.; Kochskämper, E.; Otto, A.; Papin, M. & Zengerling, C. (2026).
Towards a research and policy agenda for climate action in smaller municipalities and rural regions.
— npj Climate Action.
Der Aufsatz ist Open Access verfügbar
Kontakt: Dr. Jonas J. Schönefeld