Demografischer Wandel: Politikberatung kleiner Gemeinden in Hessen

Ausgangslage

Vom demografischen Wandel sind insbesondere kleinere Gemeinden fernab der wirtschaftlichen Zentren betroffen. Auch hier wird mit steigender Lebenserwartung die Bevölkerung älter, und jüngere Menschen mit qualifizierter Ausbildung, die im Ort oder in der Region keine angemessenen Erwerbsmöglichkeiten finden, wandern ab. Verstärkt durch negative Wanderungssalden, sinkt die Nachfrage nach Wohnraum und die Immobilienpreise stagnieren. Die Problemlage ist hinsichtlich der Infrastrukturausstattung vielfach beschrieben worden: mangelnde Auslastung, höhere Kosten, geringeres Angebot sowie Probleme die bisherige Qualität zu sichern. Durch den Rückgang der der Immobilienwerte steigt zudem das Risiko, dass Neubauten wie Modernisierungen wirtschaftlich nicht nachhaltig sind. Noch stellt sich die Entwicklung nicht als dramatisch dar; Leerstand hält sich noch in Grenzen und beschränkt sich im Wesentlichen auf den älteren Wohnungsbestand. Gleichwohl sollte rechtzeitig bedacht werden, wie Vorsorge getroffen und absehbaren negativen Folgen der Entwicklung begegnet werden kann. Noch immer vorherrschende Wachstumserwartungen stehen einer offenen politischen Befassung mit dem Thema häufig im Wege. Hier haben insbesondere kleinere Gemeinden Bedarf an Beratung und Unterstützung. In der Stadt kleinen hessischen Ulrichstein im Vogelsbergkreis wurde dazu ein Pilotprojekt organisiert, um die öffentliche Beratung dieser Fragen gemeinsam mit den Bürgern zu erproben.

Ziele

Die öffentliche Erörterung der mit der demografischen Entwicklung und Bevölkerungsrückgang verbundenen Fragen soll auch dazu dienen, die Thematik stärker in das allgemeine Bewusstsein zu bringen und politisch eine Abkehr von obsolet gewordenen Wachstumszielen zu ermöglichen. Durch die Erörterung der unterschiedlichen Themenfelder können kommunale Handlungsmöglichkeiten und Entwicklungschancen identifiziert und Wege der Zukunftsvorsorge frühzeitig erörtert werden. Das Vorgehen soll dokumentiert, Aufwand und Nutzen analysiert und die Vorgehensweise als Modellbeispiel für andere Kommunen in vergleichbarer Lage beschrieben werden.

Vorgehen

Das Vorhaben wurde vom IWU in Zusammenarbeit mit der Hessischen Akademie der Forschung und Planung im Ländlichen Raum (HAL) und der Stadt Ulrichstein organisiert. Bei einer einführenden öffentlichen Informationsveranstaltung zu den absehbaren Folgen des demografischen Wandels wurde zur Mitarbeit in zwei nachfolgenden Workshops eingeladen. Dabei wurde in Arbeitsgruppen die aktuelle Situation in den kommunalen Handlungsfeldern Soziales, Wirtschaft sowie Bauen und Wohnen nach Stärken und Schwächen analysiert. In einem zweiten Schritt wurde nach möglichen Lösungen gesucht. Die Ergebnisse wurden in einer abschließenden öffentlichen Veranstaltung vorgestellt. Für den abschließenden Bericht sollen die Niederschriften der Workshops sowie weiteres Material der Stadt Ulrichstein ausgewertet und dokumentiert werden. In Jahresfrist soll ein Resümee gezogen werden, wieweit Vorschläge umgesetzt werden konnten, welche Hindernisse bestehen und welcher Handlungsbedarf weiter gesehen wird.

Kontakt

Dr. Rainer Greiff (ausgesch.)

Bearbeitungszeitraum

2008 – 2009

Fördermittelgeber

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